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Pressebericht
Lausitzer Rundschau Online:
Vom Rackern in der Nische
Cottbuser Alpintechnik ist Spezialist für Asbestsanierung mit
typisch Lausitzer Größe
Arbeiten in der Lausitz für die meisten Betriebe bedeutet
das, sich durchzukämpfen auf schmalem Grat. 71 Prozent der
Südbrandenburger Unternehmen haben keinen oder maximal zehn
Mitarbeiter. Die Firma Alpintechnik Bernhard aus Cottbus ist eine
davon. Chef Thomas Bernhard hat einen Angestellten und bringt es
auf einen Jahresumsatz von etwa 400 000 Euro. Seine Firma könnte
mittlerweile fünfzehn Mitarbeiter zählen und größere
Gewinnmargen einfahren. Aber dafür hätte der 35-Jährige
die Lausitz verlassen müssen. Genau das will er partout nicht
und rackert lieber im Kleinen weiter in seiner Nische wie
28 500 andere Betriebe auch.
Nur zwei Wochen nach seiner Diplomverteidigung war Thomas Bernhard
auf einmal Chef seiner eigenen Firma. Der Umwelttechniker übernahm
die Alpintechnik 1996 von seinem Vorgänger. Zuvor hatte er
mehrere Jahre als Student für das Unternehmen gearbeitet. «Das
hat gepasst» , sagt er lapidar und streicht sich dabei seine
störrischen blonden Haare aus der Stirn. Dass die Arbeit mit
seinem Studium nichts zu tun hat, übergeht er mit einem verschmitzten
Lächeln.
Wie der Firmenname verrät, ist Bernhard eigentlich Industriebergsteiger.
Dabei ist das gar nicht mehr das Hauptgeschäft. «Wir
haben uns einen Namen in der Gefahrstoffsanierung gemacht»
, erklärt der Chef. 70 Prozent der Aufträge macht das
aus. Seit fünf Jahren hat der Betrieb außerdem die Fugensanierung
in seinem Portfolio. Die große Nachfrage in der Wohnblocksanierung
in der Region füllte die Auftragsbücher so sehr, dass
Bernhard 2002 fünf Leute einstellte.
So befreiten seine Leute in Cottbus etwa 600 Wohnungen von Asbestresten.
Sie waren aber auch bei Trevira in Berlin und Guben, im Kraftwerk
Boxberg, bei den Stahlkochern in Eisenhüttenstadt oder der
BASF in Schwarzheide im Einsatz. «Aber der Markt gibt es nicht
her, dass ich diese Anzahl von Mitarbeitern den Winter durchfüttern
kann. Dafür gibt es einfach zu viel Leerlauf» , sagt
Bernhard im Nachhinein. Das «Experiment» ging nur ein
Jahr lang gut. Seit 2003 leistet er sich nur noch einen Angestellten.
Solch eine Kleinfirma ist in der Lausitz nichts Ungewöhnliches.
«Tatsächlich sind die Betriebsgrößen in Ostdeutschland
deutlich kleiner als im Westen» , erklärt Dr. Joachim
Ragnitz vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Der Wissenschaftler erklärt dies mit der «Transformation»
und spielt damit auf die Wende an. «In Ostdeutschland gibt
es zum einen viel mehr junge Unternehmen und zum anderen sind die
Firmen oft aus der Not heraus gegründet worden. Sie halten
sich mehr schlecht als recht am Markt und können sich gar nicht
leisten, Mitarbeiter einzustellen» , sagt Ragnitz.
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